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Handy-Finanzierung Widerrufsrecht: Frist, Ablauf, Rückgabe

Von der RatenScout Redaktion · Zuletzt geprüft am · 4 Min. Lesezeit

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Kurz gesagt

Bei einer per Ratenkauf finanzierten Handy-Bestellung gilt eine 14-tägige Widerrufsfrist. Sie startet erst, wenn du das Gerät hast und alle Pflichtangaben zum Kredit vorliegen. Widerrufst du, geht das Handy zurück und der Anbieter erstattet alle gezahlten Beträge.

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Wer ein Smartphone online per Ratenkauf bestellt, schließt zwei Verträge: einen Kaufvertrag über das Gerät und einen Verbraucherdarlehensvertrag über die Finanzierung. Beide haben ein gesetzliches Widerrufsrecht, und beide haben ihre eigene Uhr. Genau an dieser Verzahnung entscheidet sich, wie viel Zeit du tatsächlich hast.

Deine Widerrufsfrist hängt an Papier, nicht am Kalender

Beim Fernabsatzkauf startet die 14-Tage-Frist mit dem Erhalt der Ware, § 356 Abs. 2 BGB. Beim Verbraucherdarlehen startet sie erst, wenn dir der Vertrag samt aller Pflichtangaben nach Art. 247 §§ 6 bis 13 EGBGB vorliegt: effektiver Jahreszins, Gesamtbetrag, Laufzeit, Ratenhöhe, Widerrufsbelehrung, Angabe der zuständigen Aufsichtsbehörde. Fehlt eine dieser Angaben oder ist sie falsch, beginnt die Frist nach § 356b Abs. 2 BGB gar nicht erst zu laufen. Sie startet dann erst mit der Nachholung, plus einem Monat.

Der praktische Effekt ist unbequem für Anbieter und angenehm für dich: Das Datum auf dem Lieferschein sagt nichts über deine Kreditfrist aus. Maßgeblich ist, ob das Dokumentenpaket vollständig bei dir angekommen ist.

Prüfbar ist das ohne Anwalt. Leg die Vertragskopie neben die Bestellbestätigung und hak die Punkte ab: Steht ein effektiver Jahreszins drin, auch bei 0 %? Ist der Gesamtbetrag beziffert? Nennt die Belehrung Fristbeginn, Widerrufsadresse und Rechtsfolgen? Bei Online-Abschlüssen liegt das oft als PDF im Bestätigungsmail-Anhang, manchmal nur im Kundenkonto hinterlegt, und dann stellt sich die Frage, ob die Unterlagen dir überhaupt dauerhaft übermittelt wurden. Wie der Zins zustande kommt und was dort stehen muss, steht im Ratgeber zum effektiven Jahreszins bei der Gerätefinanzierung.

Verbundene Verträge nach § 358 BGB: Widerrufst du den Kredit, entfällt automatisch auch der Kaufvertrag über das Gerät. Zwei getrennte Widerrufe brauchst du nicht.

Wie der Widerruf konkret abläuft

Der Widerruf braucht keine Begründung. Eine eindeutige Erklärung reicht, am sichersten per E-Mail oder Brief mit Sendungsnachweis. Ein Musterformular stellen viele Anbieter bereit, Pflicht ist es nicht. Für die Frist zählt das Absenden, nicht der Zugang, § 355 Abs. 1 BGB.

Ein Wortlaut, der beides abdeckt: „Hiermit widerrufe ich den am [Datum] geschlossenen Verbraucherdarlehensvertrag [Vertragsnummer] sowie den damit verbundenen Kaufvertrag über [Gerät, Bestellnummer]." Darunter Name, Anschrift, Datum. Mehr ist nicht nötig, und mehr solltest du auch nicht schreiben, weil zusätzliche Erklärungen zur Nutzung des Geräts später gegen dich verwendet werden können.

Danach sendest du das Gerät innerhalb von 14 Tagen zurück. Der Anbieter erstattet alle bereits gezahlten Beträge, Anzahlung und geleistete Raten eingeschlossen. Die Rücksendekosten trägst du nur, wenn der Anbieter dich vorab korrekt darüber belehrt hat.

Rechenbeispiel
Gerätepreis800,00 €
Laufzeit12 Monate
Monatsrate66,67 €
Nettodarlehensbetrag 800,00 €, gebundener Sollzins 0 % p.a., 0 % effektiver Jahreszins, Gesamtbetrag 800,00 €. Neutrales Aufteilungs-Beispiel zur Veranschaulichung, kein beworbener Produktpreis. Darlehensgeber: Consors Finanz, BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland, Rüdesheimer Straße 1, 80686 München. Abschluss nur nach Bonitätsprüfung.

Bei einer solchen Konstellation gilt: Zwei bereits gezahlte Monatsraten fließen nach einem fristgerechten Widerruf vollständig zurück, das Gerät geht zurück, der Vertrag ist beendet. Das Prinzip bleibt unabhängig von der tatsächlichen Ratenhöhe gleich.

Was mit dem Gerät passiert, wenn du es schon benutzt hast

Ein eingerichtetes Handy lässt sich nicht wie ein ungeöffnetes Paket zurückgeben. Nach § 357a Abs. 1 BGB haftest du für Wertverlust, der über das Prüfen der Ware hinausgeht, also über das, was im Ladengeschäft zum Testen möglich gewesen wäre: einschalten, Display und Kamera ansehen, Gewicht und Bedienung prüfen. SIM einlegen, Konten einrichten, zwei Wochen im Alltag nutzen liegt darüber.

Die Höhe bemisst sich am Wertunterschied zwischen Neuware und dem zurückgegebenen Gerät, meist am üblichen Marktwert für ein geöffnetes oder gebrauchtes Exemplar. Kratzer, fehlendes Zubehör und ein aktivierter Aktivierungssperr-Account schlagen zusätzlich durch. Und: Wertersatz schuldest du überhaupt nur, wenn der Anbieter dich korrekt über das Widerrufsrecht belehrt hat, § 357a Abs. 1 Nr. 2 BGB.

Vor der Rücksendung setzt du das Gerät zurück, entfernst deinen Account und löschst persönliche Daten. Wie das sauber gelingt, steht im Ratgeber zur sicheren Datenübertragung vor der Rückgabe.

Wann das Widerrufsrecht nicht greift

Das Fernabsatz-Widerrufsrecht setzt einen Abschluss per Internet, App oder Telefon voraus. Unterschreibst du im Ladengeschäft, fehlt diese Grundlage für den Kaufvertrag. Der Darlehensvertrag ist davon unabhängig: Ein Verbraucherdarlehen bleibt nach § 495 BGB widerruflich, auch wenn du es am Tresen unterschrieben hast. Wer im Laden finanziert hat und aussteigen will, prüft also zuerst den Kreditvertrag, nicht die Rückgabebedingungen des Händlers.

Ein Kulanz-Rückgaberecht des Händlers ist nicht das gesetzliche Widerrufsrecht. Mündliche Zusagen helfen im Streitfall nicht, die schriftliche Belehrung schon.

Häufige Missverständnisse rund um den Widerruf

Der Widerruf erledigt nichts von selbst. Du musst fristgerecht erklären und danach zurücksenden. Bleibt das Paket liegen, kann der Anbieter Wertersatz oder Verzugsfolgen geltend machen, weil die Rückabwicklung an dir hängt.

Der zweite Irrtum betrifft die Restschuld. Nach einer vollständigen Rückabwicklung bleibt bei einer Finanzierung ohne Zinsen und ohne separate Bearbeitungskosten keine Forderung offen: Der Gesamtbetrag entspricht dem Gerätepreis. Was am Ende einer Laufzeit sonst offen sein kann, erklärt der Ratgeber zur Restschuld bei Gerätefinanzierung.

Unsicher, wie so eine Finanzierung überhaupt abläuft und welche Unterlagen der Anbieter sehen will? Das steht im Ratgeber zum Finanzierungsablauf. Welche Modelle sich derzeit auf Raten holen lassen, zeigt die aktuelle Geräteauswahl.

Was du vor dem Widerruf klären solltest

Zwei Fragen entscheiden über deine Position. Erstens: Wie stark ist das Gerät genutzt, wie hoch fiele der Wertersatz aus? Zweitens: Ist die Widerrufsbelehrung vollständig und liegen alle Pflichtangaben vor? Eine lückenhafte Belehrung verschiebt den Fristbeginn nach hinten, unter Umständen weit über die zwei Wochen hinaus, an die sich die meisten halten. Das ist kein Freibrief zum Zögern. Es ist ein Grund, die eigenen Unterlagen zu lesen, bevor du eine Frist für abgelaufen hältst.

Häufige Fragen

Wie lange habe ich Widerrufsrecht bei einer Handy-Finanzierung?

14 Tage. Die Frist beginnt erst, wenn du das Gerät erhalten UND alle gesetzlichen Pflichtangaben zum Kreditvertrag bekommen hast, nicht schon mit der Bestellung.

Muss ich das Handy zurückschicken, wenn ich widerrufe?

Ja. Der Widerruf verpflichtet dich, das Gerät vollständig zurückzusenden, innerhalb von 14 Tagen nach der Widerrufserklärung.

Bekomme ich bereits gezahlte Raten zurück?

Ja. Nach einem wirksamen Widerruf erstattet der Anbieter alle geleisteten Zahlungen, auch schon gezahlte Raten und eine Anzahlung.

Was passiert, wenn ich den Kreditvertrag widerrufe, das Handy aber behalten will?

Bei verbundenen Verträgen nach § 358 BGB führt der Widerruf des Kredits automatisch zum Wegfall des Kaufvertrags. Behalten kannst du das Gerät nur, wenn du den Kaufpreis auf anderem Weg begleichst.

Gilt das Widerrufsrecht auch bei Vertragsschluss im Ladengeschäft?

Für den Kaufvertrag nicht, denn dort fehlt der Fernabsatz. Der Verbraucherdarlehensvertrag ist davon unabhängig und bleibt nach § 495 BGB in aller Regel widerruflich.

Wie formuliere ich den Widerruf?

Ein Satz genügt: Name, Bestell- oder Vertragsnummer, Datum, dazu die Erklärung, dass du den Finanzierungs- und Kaufvertrag über das genannte Gerät widerrufst. Eine Begründung ist nicht nötig.

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Bevor du den Antrag startest

  • Ausweis bereithalten: Die Bank prüft deine Identität online per Videoanruf oder mit Fotos von Ausweis und Gesicht samt Login ins Online-Banking, alternativ in einer Postfiliale.
  • Das setzt die Bank laut Shop voraus: Wohnsitz in Deutschland, mindestens 18 Jahre, mindestens 650 € netto im Monat, kein negativer Schufa-Eintrag und seit mindestens 3 Monaten beim selben Arbeitgeber, in einem „unbefristeten Arbeitsverhältnis mit einer Laufzeit von mindestens 12 weiteren Monaten“ (oder unbefristete Rente oder seit 24 Monaten selbstständig). Mit befristetem Vertrag frag vor dem Antrag beim Shop nach.
  • Unterlagen je nach Fall: ab 4.000 € Finanzierung (in Einzelfällen auch darunter) dein letzter Gehaltsnachweis, bei Selbstständigkeit die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA); ohne EU-Staatsangehörigkeit eine Kopie der Aufenthaltserlaubnis.
  • Läuft alles online, also Identität per Video oder Foto und Unterschrift per SMS-TAN, kann der Shop das Gerät nach der positiven Prüfung sofort verschicken.

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Hinter RatenScout

Michael Gorbunow, Gründer und Herausgeber von RatenScout

Michael Gorbunow

Gründer und Herausgeber · Nordhessen

Michael Gorbunow ist Gründer und Herausgeber von RatenScout. Als Entwickler und Webdesigner aus Nordhessen hat er die Seite gestartet, um die 0 % Handyfinanzierung ohne Vertrag transparent und vergleichbar zu machen. Er verantwortet die redaktionellen Standards: Jeder Ratgeber wird auf sachliche Richtigkeit und gegen die geltenden Werberegeln geprüft.

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